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Altona holt den Goldenen BärenDer Hamburger Regisseur Fatih Akin ist der Gewinner der Berlinale und Hürriyet feiert ihn als türkischen Tarantino
Von Suzan Gülfirat
Er stammt aus Altona, er lebt in Altona, und die Helden seiner Filme wohnen gleich bei ihm um die Ecke: Regisseur Fatih Akin, Gewinner der Berlinale. Er feierte ausgelassen seinen überraschenden Auswärtssieg in Berlin und rief dem Gala-Publikum zu: Der Bär geht nach Hamburg, die schönste Stadt der Republik!
Türkische Filme aus Altona sind mittlerweile zu einem Markenzeichen nicht nur Akins geworden. Bereits vor ein paar Jahren war zum Beispiel der Regisseur Yüksel Yavuz mit Aprilkinder" erfolgreich. Und im vergangenen Semester beschäftigte sich die Uni Hamburg in einer Vorlesungsreihe mit türkischen Filmen in der Diaspora. Altona spielte dabei ein große Rolle. Von Akin wurden in diesem Zusammenhang auch die Filme Kurz und schmerzlos (1998) sowie Im Juli (1999/2000) gezeigt. Jetzt gelang ihm mit Gegen die Wand der Sprung auf die internationale Bühne. Akin erzählt die Geschichte einer jungen türkischstämmigen Deutschen, die einen älteren Landsmann heiratet, um ihrer sehr religiösen Familie zu entkommen. Mit seinen eigenen Eltern ist Akin offenbar zufrieden: Der Preis ist ganz toll. Was aber noch viel besser war: Meine Eltern fanden den Film gut. Das ist das Größte, sagt er nach der Verleihung des Goldenen Bären.
Auch die türkischen Medien feiern Akin und zeigten sich stolz auf seinen Erfolg. Alle Zeitungen und Fernsehsender berichteten darüber, sogar die religiösen Sender. Ob am Bosporus, in Anatolien, Berlin oder Hamburg: überall großer Jubel. Auch die Euroausgaben der türkischen Tageszeitungen, die in deutschen Kiosken verkauft werden, überschlagen sich vor Stolz und Freude.
Der goldene Bär geht an den türkischen Tarantino, schreibt die auflagenstarke Boulevardzeitung Hürriyet am Sonntag auf ihrer Titelseite. Goldener Bär für Fatih Akin. Auch die Hauptdarsteller sind Türken, heißt es in der liberaleren Milliyet. Goldener Bär für türkischen Film, lautet die Überschrift auf der Titelseite der national-religiösen Türkiye. Auf ihrer Europa-Seite im Innenteil geht die Zeitung sogar noch weiter: Nach 40 Jahren wieder ein Goldener Bär, freut sich das Blatt und zeigt ein Filmplakat von dem eigentlich türkischen Beitrag Trockener Sommer des Regisseur Ismail Metin, der 1964 den Goldenen Bär bekommen hat.
Fast könnten die türkischen Medien in Verdacht geraten, sie wollten sich den Sieg des deutschen Beitrages auf ihre eigenen Fahnen schreiben. Aber so weit ausgeholt wie die Tageszeitung Türkiye, haben die wenigsten Medienschaffenden. Hürriyet und Milliyet schrieben jedenfalls, dass Gegen die Wand der deutsche Beitrag ist. Zudem haben sie in einem Zusatztext auch die über die anderen Sieger der Berlinale berichtet.
Und auch in der Wahrnehmung der Fernsehzuschauerin Seher Yildirmaz, die seit 34 Jahren in Deutschland lebt, ist dieser Film eindeutig ein deutscher Film. Die Leute in der Türkei tun so, als sei der Regisseur einer aus ihrer Mitte. Dabei ist er in Hamburg geboren und hat den Film für Deutschland gedreht, sagte sie gestern.
Die Menschen in der Türkei hoffen mit Hilfe der Deutschland-Türken auf ein besseres Image auf dem Weg in EU, und die einstigen Gastarbeiter sehen endlich eine Bestätigung dafür, dass sie nicht nur kriminelle Söhne erziehen.
Und die Töchter? Die Hauptdarstellerin Sibel Kekilli arbeitete noch vor wenigen Monaten als Verwaltungsangestellte, Abteilung Müll. Dann wurde sie beim Einkaufen von einem Filmagenten angesprochen und engagiert. Jetzt ist sie berühmt.
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